Das Murnauer Moos beherbergt eine der letzten beiden nennenswerten Populationen des Braunkehlchens in Bayern; das zweite größere Vorkommen dieses einst häufigen Wiesenvogels findet sich in den daran angrenzenden Loisach-Kochelseemooren. Um zu überleben und sich erfolgreich fortzupflanzen brauchen Braunkehlchen – wie auch viele andere Wiesenbrüter – offene strukturreiche Landschaften mit artenreichen Blühwiesen – und diese sind leider rar geworden.

Die Bestände dieses sympathischen Wiesenschmätzers mit dem weißen Überaugenstreif und der orange-braunen Kehle gehen auch in Schutzgebieten wie dem Murnauer Moos drastisch zurück – und das, obwohl es hier noch strukturreiche Blühwiesen gibt.
Seit 8 Jahren erforscht ein Team des Max-Planck-Instituts aus Seewiesen die Ursachen des Rückgangs der Braunkehlchen im Murnauer Moos. Nur knapp die Hälfte aller Nester im Naturschutzgebiet sind erfolgreich, die andere Hälfte der Nester dieses Bodenbrüters fallen entweder Extremwetterlagen zum Opfer oder der Fuchs holt sich die Eier oder Nestlinge, leider auch oft mitsamt der brütenden Mutter. Der Fortpflanzungserfolg ist daher zu gering, um den Bestand zu erhalten. Nähere Informationen sind in diesem allgemeinverständlichen Artikel nachzulesen.

Als „Notfallmaßnahme“ haben die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts einen Nestschutzkorb entwickelt, der die Nester der Braunkehlchen vor dem Fuchs schützt. Die Braunkehlchen nehmen diese Körbe ausnahmslos sehr gut an, ja sie scheinen sie als Ansitz- und Beobachtungswarten sogar sehr zu schätzen. Aufgrund dieser Maßnahme gab es 2024 und 2025 zum ersten Mal keine Nestverluste durch Füchse. Im Frühling 2024 sorgte extremer Regen dennoch für hohe Verluste, aber 2025 war die Witterung günstig und zum ersten Mal seit Jahren hatten die Braunkehlchen wieder einen gesteigerten Bruterfolg – der sich hoffentlich in hohen Rückkehrraten im Frühjahr 2026 widerspiegeln wird. Längerfristig können wir das Braunkehlchen in Bayern jedoch nur erhalten und in die Fläche zurückholen, wenn wir wieder strukturreiches Grünland mit hoher Artenvielfalt schaffen. Dazu braucht es jedoch großzügige Förderprogramme für Landwirte, um die wirtschaftlichen Verluste durch Extensivierung auszugleichen.
Die Otto-und-Therese-Stumpf Stiftung unterstützt noch bis Ende 2026 die Maßnahmen des Max-Planck-Instituts, um den Bruterfolg und Bestand der Braunkehlchen im Murnauer Moos zu sichern.